Seit über 125 Jahren ist die Schlaraffia® Augusta Trevirorum Teil des Trierer Vereinslebens – mit turbulenten Anfangsjahren, einer Blütezeit, einem gewaltsamen Ende durch die Nationalsozialisten und einem Neuanfang, der bis heute trägt.
1898
Inoffizielle Gründung am 13. Dezember als Kolonie von Aurelia Aquensis (Baden-Baden), mit Metis (Metz) als Ziehmutter.
1900
Offizielle Gründungsbewilligung am 22. Februar. Turbulente Anfangsjahre: von 21 Gründungsmitgliedern traten 16 wieder aus.
1902
Die Sanktionsfeier findet statt – die Reych ist offiziell anerkannt.
nach 1918
Blütezeit nach dem Ersten Weltkrieg, geprägt von Rittern wie Mars, Romanzero, Nimmermüd und Belmonte.
1933–1937
NS-Verbot: letzte offizielle Sippung am 30. September 1933, endgültige Auflösung 1937.
1951
Neugründung durch fünf verbliebene Mitglieder unter Führung von Rt. Schnipperdolling.
heute
Rund 30 Mitglieder, regelmäßige Sippungen – seit über 125 Jahren Teil des Trierer Vereinslebens.
Aus der Festschrift zum 125. Stiftungsfest
Gründung und Anfangsjahre

Am 5. im Christmond a.U. 39 (1898) schlug die Geburtsstunde des Reyches Augusta Trevirorum. Von diesem Tag stammt die allererste Nachricht vom Entstehen einer Colonie im profanen Trier. Als Gründer werden der Rt. Pepsin der h. Kyborgia, der Rt. Na Endlich der h. Hannovera und der Junker Valentin (der spätere Rt. Walthari) der h. Aurelia Aquensis genannt.
Doch erst ein Jahr später war es dann wirklich soweit. Durch das Oberschlaraffat der Allmutter Praga erfolgte am 3. im Christmond a.U. 40 die „Verlautbarung der Stammrolle“ der „Kolonie Augusta Trevirorum“. Diese erste Stammrolle wies zwei Gründungsritter (Rt. Walthari der Neckarschleimer d.h.R. Aurelia Aquensis, Reychsgründer – und Rt. Pepsin der Kunze d.h.R. Kyborgia, Gründungsritter) sowie 19 Mitbegründer auf.
Das Reych Augusta Trevirorum hätte also schon kurz nach seiner Gründung schon wieder vor der Auflösung gestanden, wäre deren Anziehungskraft in den folgenden Jahren nicht so außerordentlich groß gewesen. Dabei herrschte weiterhin ein reges Kommen und Gehen, und nach heutigen Maßstäben kann man kaum ermessen, wie turbulent es in der jungen Augusta Trevirorum zuging. Wie in einem Taubenschlag wechselten sich Aufnahmen mit Austritten und Streichungen in einem bunten Reigen ab. Etwas überspitzt könnte man sagen, man wusste nicht, wer am kommenden Sippungsabend noch Sasse des Reyches war. In die engere Wahl für den Wettbewerb „kürzeste Verweildauer in Allschlaraffia“ wäre mit Sicherheit der Kn 25 gekommen, der bereits eine Woche nach seiner Aufnahme am 5.2.42 wieder gestrichen wurde (12.2.42).
Doch nach dem Wirbel der Anfangsjahre kehrte langsam Ruhe im Reych ein. Die Zahl der Austritte nahm ab, nach dem Ersten Weltkrieg stand das Reych gefestigt da.
In jener Zeit wurden Sassen aufgenommen, die Geschichte in der AT schrieben und deren Namen selbst heute noch bekannt sind, z.B. die Ritter Mars, Romanzero, Nimmermüd, Belmonte, Jemini (Gründer d.h.R. Perla Palatina), Minnetreu, Navigator, Schnipperdolling (Wiedererwecker), Arion (Karl Werding) oder Jk Paul (Paul Cornelius, Kapellmeister). Das Reych stand gefestigt und in voller Blüte. Die Beziehungen zu den Nachbarreychen waren hervorragend.
Die uhufinstere Zeit
Ein heftiger Schicksalsschlag ereilte die Schlaraffia® in ganz Deutschland im profanen Jahr 1933 (a.U. 74) mit dem Verbot durch die NS-Behörden. Am 30.9. a.U. 74 fand die letzte offizielle Sippung statt (Funktion: Rt. Arion). Laut Verfügung der politischen Machthaber war das Reych aufzulösen. Die Pässe wurden noch einmal verlängert, sieben Ritter als Platzhalter bestimmt für den Fall, dass die Auflösungsverfügung zurückgenommen werden sollte.
Im Hornung a.U. 78 (1937) wurde das Reych dann aber endgültig abgewickelt. Das Inventar wurde unter den Sassen verteilt, nur wenig konnte gerettet werden: Szepter, Knute, Aha, Metishumpen, Amtsketten, ein Thronsessel. Der Kassenbestand wurde bis auf eine RM in Atzung und Labung verwandelt, die verbleibende Mark wurde von Rt. Navigator am nächsten Tag als „Vereinsvermögen“ abgeliefert.
Die Wiedererweckung nach dem Krieg
Nach dem Krieg zählte Trier nur noch fünf Sassen: die Ritter Belmonte, Minnetreu, Navigator, Nimmermüd und Schnipperdolling. Man beschloss gleichwohl, das Reych Augusta Trevirorum wieder erstehen zu lassen. Der „Motor“ dazu war Rt. Schnipperdolling. Doch am 10.2. a.U. 92 (1951), nur wenige Tage vor der ersten Sippung nach der uhufinsteren Zeit (23.2. a.U. 92), trat er seinen letzten Ritt in die lichten Gefilde Ahallas an. Er gilt als der Wiedererwecker, Rt. Belmonte, der dessen Werk vollendete, als Wiederbegründer des Reyches.
Am 15.9. a.U. 92 (1951) fand die Festsippung statt. Neben den Rittern Belmonte, Minnetreu, Nimmermüd, Navigator, Tonal, Putz und Romanzero waren die Pilger Werner Schnippering (der spätere Rt. Schnipperdolling II), Rt. Luluderich, Rt. Uhutreu, Rt. Niampro und Jk Eduard dabei.
Auch in den folgenden Jahren fanden neue Freunde den Weg in die Augusta Trevirorum. Die Zahl der Sassen wuchs, Trier wurde aber nie ein großes Reych. Die Mitgliederzahl pendelte immer um die 30 Recken. Private Veränderungen und Versetzungen führten immer wieder dazu, dass Mitglieder Trier und damit die Augusta Trevirorum verlassen mussten.
Die Augusta Trevirorum heute
Heute steht die Augusta Trevirorum mit 25 Sassen gefestigt da. Pro Sippung sind meist 15 eigene Sassen anwesend, zu denen sich einige Einreytter gesellen, so dass sich selbst an „kleinen“ Abenden zuweilen über 20 Sassen in der Moselburg tummeln. Auch die Junkertafel hat sich über die Jahre wacker gehalten, derzeit (a.U. 166) erfreut sich unser Reych dreier Junker und dreier Knappen. Letzter Zugewinn war die Aufnahme des Kn 240 in unser Reych im Eismond a.U. 166.
Dazu kommen die eingerittenen Freunde, die der Augusta die Treue halten und den weiten Ritt ins Moselland nicht scheuen. Gerade durch den eher kleinen Kreis der Sassen und Eingerittenen entsteht an vielen Abenden eine anheimelnde Atmosphäre; hingegen wird es bei größeren Festen in unserer Moselburg fast ein wenig eng.
Auch die Zahl der Ehren- und Petrusritter ist stetig gewachsen. A.U. 148 wurde der Konvent der Petrusritter ins Leben gerufen, dem 24 der Augusta Trevirorum besonders verbundene Sassen anderer Reyche angehören. Festsippungen mit Burgfrauen, wie die Wochenendreytersippung zu Beginn des Lethemondes und die Sippung „Musik ist Trumpf“ am Ende des Ostermondes füllten und füllen immer noch unsere Burg; nicht selten mussten wir sogar in eine Festburg ausweichen.
Auch wenn unser Reych derzeit besser dasteht als vor Jahrzehnten, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine konsequente Nachwuchswerbung zu den vordringlichsten Aufgaben gehört, um den Bestand unseres Bundes auch weiterhin zu sichern. Dazu ist es unabdingbar, niveauvolle Sippungen auf die Beine zu stellen, die nicht nur die Pilger dazu ermutigen sollen, unsere Abende auch weiterhin zu besuchen.
Musiker wie die Ritter Tast’n’Druck und T(h)orulf mit H an verschiedenen Instrumenten sowie der großartige Tenor und Pianist Rt. Ferry-Bacsi tragen mit ihrem Können ebenso wie der Maler und Karikaturist Rt. Mir-Egal unstrittig dazu bei, Ruhm und Ehre unseres Reyches zu mehren. Entscheidend aber ist das harmonische Zusammenspiel aller Anwesenden und die Rolle, die jeder einzelne einnimmt und die von Abend zu Abend variieren kann. Erst in dieser Gemeinschaftsarbeit der versammelten Sassen findet das Narrenschiff der Kunst seine Richtung und an Bord entspinnt sich das Spiel mit dem güldenen Ball.
Zu unserem Programm gehören daher auch unsere Themenabende, bei denen sich die Fechsungen um eine Persönlichkeit ranken, die es besonders zu ehren gilt. So konnten wir Veranstaltungen zu Geistesgrößen wie Kurt Tucholsky, Eugen und Joseph Roth, Wilhelm Busch, Erich Kästner, Friedrich Nietzsche oder Theodor Fontane durchführen, bei denen teilweise eine stattliche Zahl von Einreyttern und Pilgern begrüßt werden konnte. Um Besuchern aus anderen Reychen den Ritt zur Augusta besonders schmackhaft zu machen, haben wir den SaMoRhey- und den Trevererorden aus der Taufe gehoben, die man in einer Winterung durch den viermaligen Einritt in die Augusta bzw. durch den Besuch der Reyche an Saar, Mosel und Rhein erwerben kann.
Wir brauchen nicht viel, doch was wir brauchen, muss gut sein. So sind wir ein kleines, aber feines Reych mit stillen Genießern und überschäumenden Fechsern, die in jeder Sippung unser Narrenschiff mit frischer Brise nach vorne treiben. Lang, lang noch möge unsere Reise dauern – das walte UHU!
